Elo-Zahl im Schach: was sie ist, wie sie berechnet wird, wie du sie steigerst

Deine Elo-Zahl fasst deine Spielstärke in einer Zahl zusammen. Sie misst nicht, wie viele Partien du gewinnst, sondern gegen wen. Jemanden zu schlagen, der 400 Punkte über dir steht, ist enorm viel wert; jemanden 400 Punkte unter dir zu schlagen, fast nichts.

Dieser Artikel erklärt, woher die Zahl kommt, was deine bedeutet und was sie tatsächlich nach oben bringt.

Was das Elo-System ist

Entwickelt hat es Arpad Elo, ein ungarisch-amerikanischer Physiker; die FIDE übernahm es 1970. Die Idee ist simpel: Jeder Spieler hat eine Wertungszahl, und die Differenz zwischen zwei Zahlen sagt das erwartete Ergebnis der Partie voraus.

Gewinnst du mehr, als das System vorhersagt, steigst du. Gewinnst du weniger, fällst du. Mehr ist es nicht.

Wie sie tatsächlich berechnet wird

In zwei Schritten.

Schritt 1: die Erwartung

Deine Gewinnwahrscheinlichkeit wird so berechnet, wobei Ra deine Zahl ist und Rb die des Gegners:

E = 1 / (1 + 10^((Rb - Ra) / 400))

Die 400 ist das Herz des Systems: Ein Abstand von 400 Punkten bedeutet, dass der Favorit etwa 10 von 11 Partien gewinnen sollte.

Ein paar Beispiele:

Differenz Erwartung des Favoriten
0 Punkte 50 %
100 Punkte 64 %
200 Punkte 76 %
400 Punkte 91 %

Schritt 2: die Anpassung

Neue Elo = aktuelle Elo + K × (tatsächliches Ergebnis − Erwartung)

Das tatsächliche Ergebnis ist 1 bei Sieg, 0,5 bei Remis und 0 bei Niederlage.

Der K-Faktor bestimmt, wie stark sich deine Zahl pro Partie bewegt. Bei der FIDE:

Deshalb schwankt deine Zahl anfangs stark: Das System kennt dein wahres Niveau noch nicht und bewegt sich schnell, um es zu finden.

Ein durchgerechnetes Beispiel

Du hast 1200 und schlägst jemanden mit 1400. Deine Erwartung war 1 / (1 + 10^(200/400)) = 0,24. Mit K = 40:

1200 + 40 × (1 − 0,24) = 1200 + 30,4 ≈ 1230

Du gewinnst 30 Punkte. Hättest du dieselbe Partie verloren, wären es nur etwa 10 gewesen — gegen einen Stärkeren zu verlieren war ja eingepreist.

Was deine Zahl bedeutet

Diese Spannen sind Richtwerte, aber sie ordnen dich ein:

Elo Niveau
Unter 1200 Anfänger: Regeln sitzen, Figuren gehen noch verloren
1200 – 1400 Einsteiger: Ein-Zug-Taktiken werden gesehen
1400 – 1600 Fortgeschritten: Pläne und zwei bis drei Züge Rechnen
1600 – 1800 Starker Vereinsspieler: kaum grobe taktische Fehler
1800 – 2000 Weit fortgeschritten: solide Endspieltechnik
2000 – 2200 Experte / Anwärter auf den Meistertitel
2200 – 2400 FIDE-Meister und Internationaler Meister
Über 2500 Großmeister

Vorsicht beim Vergleich zwischen Seiten. Die Elo einer Plattform ist keine FIDE-Elo: Jede hat ihre eigene Spielerpopulation und ihre eigenen Konstanten. Ein Unterschied von 200 oder 300 Punkten zwischen Systemen ist völlig normal.

Die 5 Dinge, die deine Elo wirklich steigern

1. Hör auf, Figuren einzustellen

Unterhalb von 1600 gehen die meisten Partien durch verschenktes Material verloren. Vor jedem Zug zwei Fragen: Was droht mein Gegner? und Was von mir steht ungedeckt?

2. Täglich Taktik

Fünfzehn Minuten am Tag bringen mehr als drei Stunden am Sonntag. Muster verankern sich durch Wiederholung, nicht durch Intensität.

3. Lerne vier Endspiele

König und Dame gegen König, König und Turm gegen König, König und Bauer gegen König sowie Turmendspiele. Beim Verwerten von Vorteilen gehen die meisten Punkte aus reiner Technik verloren.

4. Spiele lange Partien

Im Blitz wiederholst du, was du schon kannst. Mit genug Zeit rechnest du, irrst dich und findest heraus, warum. Daher kommt der Fortschritt.

5. Analysiere deine Niederlagen

Exportiere das PGN und suche den Zug, an dem die Partie kippte. Eine Engine brauchst du selten — meist sieht man es selbst.

Ein Wort zur Fixierung auf die Zahl

Elo ist ein Thermometer, kein Ziel. Sie steigt, wenn du besser spielst — und zu spielen, um keine Punkte zu verlieren, führt dazu, komplizierte Stellungen zu meiden. Genau dort lernt man aber.

Wähle eine Schwierigkeit, bei der du etwa die Hälfte deiner Partien gewinnst. Dort lernst du am schnellsten: Ein Gegner, der immer gewinnt, lehrt nichts — und einer, den du immer schlägst, ebenso wenig.

Häufige Fragen

Was ist eine gute Elo-Zahl?

Das hängt vom Kontext ab. Über 1200 sitzen die Grundlagen, 1600 ist ein solider Vereinsspieler und 2000 Expertenniveau. Der Durchschnitt gewerteter Vereinsspieler liegt bei etwa 1600, online sind die Durchschnitte meist niedriger.

Wie genau wird Elo berechnet?

In zwei Schritten: zuerst die Erwartung, E = 1 / (1 + 10^((Rb − Ra)/400)), dann die Anpassung, neue Elo = Elo + K × (tatsächlich − erwartet). K ist 40 für neue Spieler, 20 für die meisten und 10 oberhalb von 2400.

Warum bekomme ich so wenige Punkte gegen schwächere Gegner?

Weil das System deinen Sieg ohnehin erwartet hat. War deine Erwartung 0,9 und du gewinnst, bekommst du nur K × 0,1. Die Kehrseite: Eine Niederlage in derselben Partie würde dich viel kosten.

Ist die Elo einer Website dieselbe wie die FIDE-Elo?

Nein. Jede Plattform berechnet ihre eigene Elo mit eigener Population und eigenen Konstanten, die Zahlen sind also nicht direkt vergleichbar. Unterschiede von 200 oder 300 Punkten zwischen Systemen sind normal.

Wie viel kann man in einem Jahr zulegen?

Mit regelmäßiger Übung schafft ein Anfänger in wenigen Monaten mehrere hundert Punkte. Der Fortschritt verlangsamt sich nach oben hin: Von 1200 auf 1500 geht deutlich schneller als von 1900 auf 2000.

Zurück zum Blog · Jetzt spielen

Weiterlesen